Eine Rundreise durch Senegal

Im März 2002

Im Vorwege möchte ich Cherif danken, der mir diese wunderbare Reise ermöglicht hat. Ohne ihn hätte ich es ohne Französischkenntnisse nicht geschafft. Wir haben uns über das Internet kennengelernt. Wir schrieben uns viele mails und so kam die Idee, daß wir uns gegenseitig besuchen. Er spricht übrigens sehr gut deutsch.

Der Flug war eigenartig für mich, da ich plötzlich das Gefühl hatte "zeitlos" zu sein. Das habe ich selten. Hamburg gehörte nun der Vergangenheit an und was mich in Dakar erwartete konnte ich mir noch nicht richtig vorstellen. Ist er wirklich am Flughafen, wenn ich komme? Erkenne ich ihn, werden wir uns verstehen? Und auch gleich drei Wochen lang?

Der Flughafen war kleiner als ich dachte und er erkannte mich sofort. Sein Freund war mit dem Auto da. Dann gingen wir essen. Auf den ersten Blick ist Dakar keine schöne Stadt und auch an das Essen mußte ich mich gewöhnen, obwohl ich normalerweise alles esse. Soll nicht heißen, daß es schlecht war, aber soviel Fleisch esse ich sonst nicht.

Dakar
Wir blieben ein paar Tage in Dakar. Ich lernte seinen Stadtteil kennen. Vor Grand Yoff wurde ja in meinem Reiseführer gewarnt...Er stellte mich seinen Freunden vor. Die waren alle sehr nett. Schade, daß ich kein französisch kann, das machte jede Unterhaltung schwierig.

Wir fuhren auch auf die Insel Goree. Die ist sehr berühmt, da von dort die Sklaven nach Amerika transportiert wurden. Das ehemalige Sklavenhaus ist jetzt ein Museum.Ansonsten ist die Insel sehr malerisch und könnte genauso gut in Südeuropa sein.

Tambakounda
Mit dem Sammeltaxi fuhren wir nach Tambakounda. Eine kleine Stadt im Osten des Landes. Beim Warten, daß das Sammeltaxi voll wird, werden einem ständig Waren angeboten: Bananen, Bonbons, Kaugummi, sogar Eier, Getränke und was es sonst so gibt. Entspannend ist es nicht. Die Fahrt dauert so sieben Stunden und geht durch die trockene Sahelzone. Wegen der Malaria habe ich mich entschlossen, in der Trockenzeit zu fahren. Das dies in Tambakounda die heißeste Zeit ist, hatte ich nicht so bedacht.

In Tamba, so wird die Stadt von den Senegalesen genannt, haben wir bei einem Freund von Cherif übernachtet. Als wir kamen, waren zwei Frauen gerade beim Maisstampfen und Singen. Die Familie war recht groß. Sein Sohn ging schon zur Schule und der versuchte mir auf französisch die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Familie zu erklären. Seine kleinere Schwester kam da nicht so zu Wort. Der Fernseher stand draußen im Innenhof. Abends gab es Hirsecouscous, aber Cherif meinte, ich sollte es lieber nicht essen, da ich es nicht vertrage. Hm, glaubt er das wirklich oder war es die höfliche Umschreibung dafür, daß ich dort nichts essen soll (aus anderen Gründen). Er schleppte mich dann in ein Restaurant, wo es wieder Huhn in brauner Soße mit vielen Zwiebeln gab. Nach etlichen Hühnern mochte ich die nur bedingt.

In der Nacht konnte ich kaum schlafen, weil es so heiß war. Ich wickelte mich in mein nasses Tuch ein, dann ging es. Tabakounda ist im Verhältnis zu Dakar ein kleines Dorf. Ich fand es gemütlicher und schöner, vielleicht weil es afrikanischer war. Aber es war mir zu heiß und zu trocken. Ohne Nasentropfen ging gar nichts mehr. Wir sind über den Markt geschlendert, haben einen Freund, der auch Lehrer ist, besucht. Ein Auto nach Kedougou sollte am nächsten Morgen ganz früh fahren. Wir waren im Morgengrauen da, aber es war ein großes Auto und das kann dauern, bis es voll wird. Ein kleineres Sammeltaxi war schon lange voll und weg. Gegen Mittag hat es dann geklappt mit dem "umbuchen". Unterwegs hatten wir noch Papayas am Straßenrand gekauft. Auf halber Strecke in Dar Salam sind wir dann ausgestiegen, da dort der Eingang Niokolo Koba Nationalpark ist.

Niokolo Koba
Dort sind wir von dem Parkauto abgeholt worden und bis Simenti gefahren. Dort konnten wir uns eine Rundhütte mieten. Wir legten unsere Sachen rein und gingen spazieren. Wir konnten einige Tiere beobachten, aber zum Fotografieren waren sie zu weit weg. Ein dicker Pavian rannte quer über die Wiese, das war schon eindrucksvoll. Nach einem Schlenker zum Gambiafluß gingen wir wieder in die Hütte. Aber wie sah es dort aus? Zwei Häufchen mit schwarzen Kernen lagen dort? Aber wir ahnten schnell was passiert war...die Affen haben wohl die Papayas gerochen, sind in die Hütte gekommen (so richtig verschließen konnte man die ja nicht) und haben sie gleich an Ort und Stelle vertilgt. Frechheit. Sowas würden Löwen nie tun!

Am späten Nachmittag haben wir mit zwei anderen eine Pinassenfahrt auf dem Gambia River gemacht. Es gab Krokodile, Nilpferde und Schakalwölfe zu sehen. Naja, von den Nilpferden haben wir höchstens mal die Augen gesehen. Aber am Fluß war es schön grün, mal was anderes als die vertrocknete Landschaft.

Am Tag drauf haben wir eine Halbtagestour mit dem Nationalparkauto unternommen. Es gab auch nicht so viel zu sehen. Aber wir haben zwei Leoparden besucht, deren Mutter von Wilderern getötet wurde. Die zwei waren allerdings im Käfig. Ich war drauf und dran reinzulangen und den Leopard zu streicheln, schließlich schnurrte er mich freundlich an!

Von Dar Salam wieder wegzukommen war nicht so einfach. Die Sammeltaxis, die von Tamba nach Kedougou fahren sind ja immer voll, wenn sie losfahren (sonst würden sie ja nicht fahren...), ansonsten war die Straße nicht sonderlich belebt. Aber dann hatten wir Glück, wir konnten auf einem Pickup auf der Ladefläche mitfahren. Dort saßen wir dann zu Dritt auf alle möglichen Reissäcken oder was auch immer. Dachte, bei der Hitze würde ich jetzt durch den Fahrtwind ein wenig Abkühlung bekommen. Aber weit gefehlt. Es war wie ein heißer Fön! Nach fast zwei Stunden waren wir dann in Kedogou. Dort gab es eine schöne Rundhütte mit Ventilator. Und es gab Alsterwasser! Zumindestens die Komponenten...

Kedougou
Kedougou ist wesentlich kleiner als Tamba, aber etwas hübscher, da es so etwas wie einen Marktplatz hat. Ich habe mich oft nicht getraut zu fotografieren, schade. Einmal haben wir am Straßenrand bei einer Frau gegessen, die dort ihren Kocher hingestellt hat und Couscous aus dem Topf verkauft hat. Das war richtig lecker und sie hat sich gefreut, daß wir ihr Essen mochten. Sie war gerade dabei auf dem Hinterhof ein Restaurant zu bauen, da viele schon gesagt haben, daß sie gut kochen kann.

Salemata
In der Gegend um Salemata ist das Siedlungsgebiet der Bassaris. Ihre Lebensweise unterscheidet sich von den restlichen Senegalesen. Es war nicht so einfach eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Aber Cherif hat einen jungen Mann namens Stabi ausfindig gemacht, der dort in der Nähe wohnt (dort konnten wir auch schlafen) und wußte wann es losgeht. In der Gegend wohnen überwiegend Fulbe. Nachmittags saßen wir unter einem Mangobaum und aßen Mangos (ach was). Ein paar Frauen saßen noch da und lästerten wohl etwas über uns. Hatte wohl nicht gedacht, daß Cherif sie versteht...und ich habe mich gewundert, daß Cherif nichts gesagt hat...zumindest hätte er sich ja nett in ihrer Sprache verabschieden können... Tja, manchmal ist es besser, wenn man nicht alles versteht.

Gegen Abend gingen wir auf den Berg zu den Bassaris. Es fing schon an dunkel zu werden. Ich kam mir irgendwie auch komisch vor, eine Volksgruppe regelrecht zu besichtigen. Aber die wohnten sehr iydillisch dort, sah schon schön aus. Aber Feuer sollte dort möglichst nicht ausbrechen, da die Hütten extrem dicht zusammenstanden.

Auf dem Rückweg hatten wir noch eine Pause an einer schönen Stelle eingelegt, wo man herrlich über das Land blicken konnte. Schade, daß wir keine Isomatten dabei hatten, man hätte dort super übernachten können.

Am nächsten Tag haben wir auf eine Mitfahrgelegenheit nach Kedougou gewartet. Wir waren nicht die Einzigen. Ich wollte mir etwas die Füße vertreten, da war ich schon umringt von Kindern die "Toubab Toubab" riefen (Weiße, Weiße). Sie nahmen mich gleich bei der Hand und wollte wissen wie ich heiße. Irgendwann kam dann auch ein Auto, welches uns mitnahm.

Dindefelo
Von Kedougou wollten wir nach Dindefelo zum Wasserfall. Cherif kannte die Gegend, da er als Lehrer mal einen Ausflug dorthin bekommen hatte. Der Transport war sehr abenteuerlich, da es nach Dindefelo keine richtige Straße gab und die Fahrzeuge sahen so aus, als würden sie bald auseinanderfallen. Sie wurden mit allem möglichen Dingen beladen, u.a. auch eine Ziege, die den Transport auf dem Dach nicht so genossen hat. Wir saßen auf Reis oder Maissäcken, zu unseren Füßen lag ein Motor...Für die 20 km waren wir fast drei Stunden unterwegs. In Dindefelo gab es ein Camp, wo wir übernachten konnten. Am Wasserfall herrschte ein sogenanntes Microklima mit 17°C. Das war gut! Dort konnte man es aushalten! Ich war fest eingeschlafen, bis eine Horde johlender Franzosen da war. Kann mir mal jemand sagen, warum man immer laut johlen muß, wenn man im Wasser ist? Am Tag drauf wollten wir eigentlich auf den Markt. Dort sollten Händler aus Senegal, Mali und Guinea sein. Der Markt fiel wegen dem islamischen Neujahrsfest leider aus. Daher fuhren auch keine Autos mehr nach Kedougou. So übernachteten wir bei einem Mann, der Cherif von dem damaligen Ausflug her wiedererkannte. Es war günstiger als auf dem Camp und man konnte zwei Türen der Hütte aufmachen, so daß man etwas Durchzug hatte.

Am nächsten Tag ging es schon bald los, da ein Kind zum Arzt mußte. So abenteuerlich die Reise für mich war, so schlimm kann sie für die Einheimischen werden, wenn dringende Hilfe einfach zu weit weg ist. Zum Glück ging es dem Kind während der Fahrt immer besser, aber das kann ja auch mal anders ausgehen.

Über Tambakounda wollten wir wieder zurück nach Dakar. Cherif zweifelte den Zustand "unseres" Sammeltaxis an und meinte, ob der das noch bis Dakar schafft? Ich fand ja, daß alle Autos den Eindruck machten... Wir kauften also lieber noch eine Wasserflasche. Ich kriegte Migräne und die Aussicht auf 7 Stunden eingequescht zu fahren, versetzte mich nicht gerade in Begeisterung. Cherif sollte recht behalten, wir hatten eine Panne. Sie versuchten es mit Anschieben, schauten ins Auto, aber es tat sich nichts mehr. Tja, ich kam so an meine Kopfschmerztabletten und irgendwie wollte ich ja schon mal die ganze Zeit draußen schlafen. Wir legten uns also mit unseren Sachen und dem Schlafsack etwas abseits hin. Der Fahrer versprach uns zu wecken wenn es weitergeht. Er fuhr noch mit dem nächsten Lastwagen in den nächsten Ort, um von dort Hilfe zu holen. Wir hofften, daß er uns Wasser mitbringt, aber dafür hatte er wohl nicht den Kopf. Am nächsten Morgen wurden wir geweckt und es stand ein Geländewagen bereit. Cherif sagte, er käme von der Botschaft aus Guinea-Bissau. So nahm die Fahrt ein komfortables Ende.

In Dakar blieben wir ein oder zwei Tage und dann fuhren wir nach Saint Louis, die alte Hauptstadt von Senegal.

Langue de Barbarie
Wir fuhren zuerst nach Tassinere beim Nationalpark Langue de Barbarie. Das ist eine kleine Landzunge vor Saint Louis. Auf der einen Seite ist der Senegalfluß, auf der anderen der Atlantik. Dort wohnt ein Cousin von Cherif. Er ist auch Lehrer und wohnt mit 5 anderen Lehrern in einem Haus.

Der Ort selbst war zwar ganz schön, aber die Menschen empfand ich als feinseelig und unangenehm. Hier kommen wohl relativ viele Touristen hin und ich hatte das Gefühl, daß die Bewohner darauf aus waren, am Reichtum der Touristen teilhaben zu wollen. Hier waren die Kinder zwar auch freundlich, fragten aber im nächsten Moment, ob sie meine Spange, meinen Ring usw. haben könnten. Wahrscheinlich gibt es genügend Touristen, die für ein ach so süßes Lächeln doch eben die wertlose Spange hergeben. Und schwupp erzieht man sich kleinen Quälgeister.

Wir machten eine Pirogenfahrt zur Flußmündung ins Meer und schauten uns auf einer kleinen Insel um. Dort waren Löcher im Strand mit Krebsen drin. Ich wollte einen herauslocken, aber der wolle nicht. 5 min später waren plötzlich alle Krebse aus ihren Löchern auf dem Weg ins Meer...

Saint Louis
Saint Louis ist eine hübsche Stadt, aber recht klein und teuer. Schnell hatte man alles gesehen und so nette Cafes gab es leider nicht, wo man mal hätte die Zeit verdösen können. Die Unterkunft, die wir hatten, war nicht billig aber gut. Leider war es in der Nacht schrecklich laut. Abends hörte man die Muezzins, die nun mittlerweile vom Tonband kamen. Dagegen habe ich ja auch gar nichts, ich hatte aber das Gefühl, daß eines dieser Tonbänder (ganz nah bei der Unterkunft) die ganze Nacht lief. Sehr merkwürdig. Ich war super genervt. Cherif war ganz enttäuscht, weil er dachte, diese ruhige Stadt wird mir sicher gefallen. Von Saint Louis sind wir dann zum Djoudj Nationalpark gefahren. Es ist der drittgrößte Vogelnationalpark der Welt. Leider war es auch hier recht bedeckt.

Danach wollten wir zu Cherifs Mutter in ein ganz kleines Dorf. Es war schon alles klar mit dem Taxifahrer. Aber dann stellte sich heraus, daß ich nicht genügend Geld gewechselt habe. Es war Ostern und an Nachschub nicht zu denken. Schöner Mist. Mit wenig Geld kann man nicht in die Einsamkeit. Der Taxifahrer hatte auch schon getankt. Somit haben wir dann eine sehr teure Fahrt nach Dakar gehabt. Es war einfach sehr blöd gelaufen.

In Dakar haben wir uns dann den Lac Rose angeschaut. Das war eine ziemliche Gurkerei mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ich konnte erst nach Ostern wieder Geld wechseln. Der See ist wirklich rosa. Die Farbe kommt durch eisenoxidabgebende Bakerienstämme zustande. Der See ist sehr salzhaltig.

Mit dem letzten Geld fuhren wir am nächsten Tag auf die Insel Ngor. Sehr ähnlich wie Goree aber nicht so touristisch.

Joal Fadiout Der Ort Joal wurde von portugiesischen Seefahrern im 15.Jahrhundert gegründet. Fadiout gehört zu den malerischsten Orten Senegals. Es handelt sich um drei künstlich mit Muschelschalen aufgeschichtete Inseln. Es gibt eine besiedelte Insel, eine Friedhofsinsel und eine Speicherinsel. Wie gesagt NUR aus Muscheln!