Der Anti Atlas im März 2003

Da ich Marokko schon fast als mein zweites zu Hause betrachte, war es ja nur eine Frage der Zeit, wann ich wieder hinfahre. Alleine wollte ich nicht fahren, aber es gibt ja ein paar Seiten im Internet, worüber man sich eine Reisebegleitung suchen kann. Es meldete sich tatsächlich jemand aus Hamburg, so konnten wir uns vorher treffen und kennenlernen. Ich wollte eigentlich die Königsstädte Fes und Meknes besuchen, aber für nur eine Woche ist es vielleicht wirklich etwas knapp. Randolph wollte gerne im Anti Atlas wandern. Also gut, ist mir auch recht, Hauptsache bald und Hauptsache Marokko und Marrakech.

Wir flogen dann also bis Agadir, dann mit dem Bus (diesmal wußte ich das) nach Inezgane und von dort mit dem Bus nach Tiznit. Das Sammeltaxi nach Tafraoute war gerade weg und man sagte uns, daß es wohl dauern wird, bis das nächste voll wird. Von Tiznit gab es ein Sammeltaxi nach Tafraoute, aber auch hier waren wir die ersten. Aber wir hatten Hunger und waren dann eben erstmal nett essen gegangen. Als wir wiederkamen, war das Taxi voll und es ging los.

Wir kamen spät Abends in Tafraoute an und suchten uns ein Hotel. Ich glaube, wir waren die einzigen Gäste, somit konnten wir uns die Zimmer aussuchen. Ich war dafür, das Zimmer mit dem heilen Wasserhahn zu nehmen. Für umgerechnet 5 Euro kann man nicht meckern.

Tafraoute hat mir gut gefallen. Ein kleines sehr nettes Städtchen. Am nächsten Tag war Markt, da ist dann auch richtig Leben dort.

Wir lernten dort ein deutsch/marokkanisches Pärchen kennen, die in der gleichen Gegend wandern wollten wie wir.Sie kam auch aus Hamburg und er war ein Kollege von Brahim. Die Welt ist doch klein. Wir suchten uns dann zusammen ein Auto, daß nach Aït-Mansour fuhr. War gar nicht so einfach. Die Sammeltaxis fuhren nur bis Taserirt und wir wollten aber noch weiter. Nach einigem Hin und Her nahm uns dann ein Transporter auf der Ladefläche mit. Der Taxifahrer fand es nämlich nicht so gut, daß wir nun doch nicht mit ihm fahren wollten und beschwerte sich bei den Transporterfahrern und verwies außerdem drauf, daß es ja gar nicht erlaubt ist, uns mitzunehmen.

Bei der Ankunft dort, trafen wir Hassan, der uns gleich einen Übernachtungsplatz in seinem Dorf anbot. Das Gepäck der anderen beiden hat er dann derweil auf seinem Moped transportiert, so daß sie es nicht die ganze Zeit tragen mußten. Der Weg war wunderschön. Anfangs gingen wir durch eine Oase mit vielen Dattelpalmen. Wir sahen auch viele Bewässerungsgraben am Straßenrand.

Am späten Nachmittag wurde die Gegend trockener und die Vegetation wurde deutlich karger. Dann sahen wir mittendrin ein Fußballfeld mit Spielern, wie bunte Farbklekse in der Landschaft. Das fand ich sehr erstaunlich. Wo kommen die denn wohl her? Das nächste Dorf ist doch weit weg?

Hassan war auf Gäste ausgelegt. Es gab Matratzen und Decken. Wir saßen bis zum Schlafengehen am Lagerfeuer. Das war sehr gemütlich. Zum Essen gab es Tajine. Sehr lecker, ich liebe Tajine (hatte ich vielleicht schon mal irgendwo erwähnt...). Am nächsten Tag wanderten Randolph und ich weiter, die anderen blieben noch einen Tag länger bei Hassan.

Das Wetter war angenehm warm bis etwas zu heiß, aber zwischendurch hielten wir Siesta. Das kann man in der Gegend sehr gut. Wir wanderten bis Abends und dann beschlossen wir, das nächste Auto anzuhalten. Es dauerte gar nicht so lange, da nahmen uns zwei Marokkaner mit bis Tafraoute. Einer war Koch in einem Restaurant. Da er uns nicht den Namen veriet, kamen wir nicht in den Genuß seiner Kochkünste.

In Tafraoute kam ich übrigens das erste mal in den Genuß von Avocadoshake (Avocado, Milch und Zucker). Danach wurde ich süchtig! Wir beschlossen als nächstes nach Telouine zu fahren und zwar über Igherm. Dort ist ein Agadir (Speicher), den Randolph gerne anschauen wollte. Da es nach Igherm weder Bus oder sonstige öffentliche Verkehrsmittel gab, beschlossen wir zu trampen.

Also stellten wir uns am nächsten Tag an den Ortsausgang und versuchten unser Glück. Ein Lastwagen nahm uns mit. Er fuhr allerdings woanders hin, so daß wir nur bis zum Abzweiger mitkonnten, aber das war schon eine ganze Strecken. Von dort liefen wir die Straße runter, wo noch eine Straße zu einem Dorf führt. Vielleicht kommt ja jemand aus dem Dorf, der rein zufällig nach Igherm fährt. Die Straße war alles andere als vielbefahren. Es war schon ein Wunder, wenn dort überhaupt mal ein Auto kommt.

So setzten wir uns auf eine Mauer und ich bestellte beim Universum ein Auto für ca. 15 min. später (wollte ja noch in Ruhe was futtern).Das Universum lieferte pünktlich einen R4 mit 5 Marokkanern, die eine Urlaubsreise machten. Sie hielten an, der Beifahrer setzte sich zu den dreien auf der Rückbank und wir teilten uns den Beifahrersitz. Wie das alles mitsamt unserer nicht ganz kleinen Rucksäcken funktioniert hat ist mir bis heute ein Rätsel.

Die Fahrt dauerte lange, da es mitten durch den Anti Atlas ging. Serpentinen ohne Ende, die Landschaft änderte sich nicht, über Stunden....bequem war es ganz und gar nicht, aber die Marokkaner saßen ja genauso beengt und beschwerten sich auch nicht, nein, sie nahmen uns sogar mit, obwohl sie ja auch hätten vorbeifahren können. Einmal sagen sie auch fröhlich vor sich hin.

In Igherm war ein Fest, wie es hieß haben wir leider nicht herausbekommen. Jedenfalls haben sich die Männer als Frauen verkleidet und waren zum Teil maskiert. Die sahen recht lustig aus. Sie sammelten Geld, natürlich in erster Linie von Touristen. Sie hatten sich von Einheimischen auch so manchen Ärger eingefangen, keine Ahnung warum, aber wer weiß was sie in der Sicherheit ihrer Verkleidung so alles angestellt haben...

Der Speicher war nun doch weiter weg als wir dachten und so fuhren wir mit dem Taxi nach Telouine. Dort hatten wir dann noch einen längeren Fußmarsch zum Hotel. Vom Hotelfenster konnten wir eine alten Festung sehen. Die haben wir dann abends auch noch angeschaut. Im Ort selbst gab es nicht so viel zu sehen.

Am nächsten Tag wollten wir in einen Ort, dessen Namen ich leider vergessen habe. Ein Transporter war bereit uns dorthin zu fahren. Er fuhr so ewig lang, daß wir schon glaubten total falsch zu sein, aber irgendwann kamen wir doch an. Ein Marokkaner bot uns dann einen Übernachtungsplatz für die Nacht an, aber wir waren nicht so sicher, ob wir nicht im nächsten Dorf übernachten und von dort dann morgen zurücklaufen. Inzwischen war es schon Mittags und ich war etwas ungnädig, in der Mittagshitze zu laufen. Die Gegend war öde und heiß. Ich wäre lieber ganz früh morgens raus und hätte mich mittags unter einen Baum gelegt.

Wir sind dann noch bis zum nächsten Dorf gelaufen und von dort wieder zurück zu Mohammed, um dort zu übernachten. Er hatte eine riesige Familie und ein riesiges Haus. Und alle waren sehr freundlich. Ich habe es zum xten Mal bedauert, nicht wenigstens französisch zu können. So konnte nur Randolph die Konversation führen. Ich durfte als ausländischer Gast bei den Männern mitessen. Die Frauen saßen extra, aber immerhin im gleichen Raum. Das Essen wurde auf zwei großen runden Tabletts serviert. Eine Art Linsencreme, wenn ich mich richtig erinnere. Ein Teller für die Frauen und einer für die Männer und Gäste.

Mohammed führte uns am nächsten Tag nach Telouine. Dort haben wir dann unser Gepäck abgeholt, Tee getrunken und dann den Bus nach Marakech genommen. Leider hat man von der Fahrt durch den Hohen Atlas nicht viel gesehen Die Fahrt nach Marrakech dauerte glaube ich 7 Stunden. Ein paar Zwischenstopps gab es auch. Abends um 23 Uhr kamen wir an und mußten uns auf die Suche nach einem Hotel machen. Es kam zu einem Streit mit einem Taxifahrer, der meinte, daß die Tarife nachts viel höher wären. Dabei hat uns eine Marokkanerin einen anderen Preis genannt. Irgendwie kam jedenfalls ein Hotelbesitzer dazu und wir bekamen ein Zimmer für umgerechnet 12 Euro. Es war in der Altstadt und in dem alten Herrenhausstil gebaut. Es war nicht so nobel, wie das von meiner ersten Reise, aber dafür auch nur ein Bruchteil des Preises.

Abends wollten wir auf dem Djemaa el Fna nochwas essen, aber die waren schon am abbauen, da es regnete und stürmte. Das fand ich total blöd. Aber am nächsten Tag hatte sich das Wetter zum Glück beruhigt. Randolph wollte noch einiges besichtigen, was ich schon kannte und ich wollte shoppen. So haben wir uns erst zum Mittagessen getroffen.

Für Birgit habe ich eine Lampe gekauft, für mich einen verschnörkelten Haken usw.. Ich habe mich jedenfalls total wohl gefühlt und bin durch den Souk gelaufen, habe im Internet Cafe ein paar mails geschrieben.