Da ich Marokko schon fast als mein zweites zu Hause betrachte, war es ja nur
eine Frage der Zeit, wann ich wieder hinfahre. Alleine wollte ich nicht
fahren, aber es gibt ja ein paar Seiten im Internet, worüber man sich eine
Reisebegleitung suchen kann. Es meldete sich tatsächlich jemand aus Hamburg,
so konnten wir uns vorher treffen und kennenlernen. Ich wollte
eigentlich die Königsstädte Fes und Meknes besuchen, aber für nur eine
Woche ist es vielleicht wirklich etwas knapp. Randolph wollte gerne im Anti
Atlas wandern. Also gut, ist mir auch recht, Hauptsache bald und Hauptsache
Marokko und Marrakech.
Wir flogen dann also bis Agadir, dann mit dem Bus (diesmal wußte ich das)
nach Inezgane und von dort mit dem Bus nach Tiznit.
Das Sammeltaxi nach Tafraoute war gerade weg und man sagte uns, daß es wohl
dauern wird, bis das nächste voll wird. Von Tiznit gab es ein Sammeltaxi nach
Tafraoute, aber auch hier waren wir die ersten. Aber wir hatten Hunger und
waren dann eben erstmal nett essen gegangen. Als wir wiederkamen, war das
Taxi voll und es ging los.
Wir kamen spät Abends in Tafraoute an und suchten uns ein Hotel. Ich glaube,
wir waren die einzigen Gäste, somit konnten wir uns die Zimmer aussuchen.
Ich war dafür, das Zimmer mit dem heilen Wasserhahn zu nehmen. Für
umgerechnet 5 Euro kann man nicht meckern.
Tafraoute hat mir gut gefallen. Ein kleines sehr nettes Städtchen. Am
nächsten Tag war Markt, da ist dann auch richtig Leben dort.
Wir lernten dort ein deutsch/marokkanisches Pärchen kennen, die in der
gleichen Gegend wandern wollten wie wir.Sie kam auch aus Hamburg und er war ein Kollege von Brahim. Die Welt ist
doch klein. Wir suchten uns dann zusammen ein Auto, daß nach Aït-Mansour fuhr.
War gar nicht so einfach. Die Sammeltaxis fuhren nur bis Taserirt und wir wollten
aber noch weiter. Nach einigem Hin und Her nahm uns dann ein Transporter auf
der Ladefläche mit. Der Taxifahrer fand es nämlich nicht so gut, daß wir nun doch nicht mit ihm fahren wollten und beschwerte sich bei den Transporterfahrern und verwies außerdem drauf, daß es ja gar nicht erlaubt ist, uns mitzunehmen.
Bei der Ankunft dort, trafen wir Hassan, der uns gleich einen
Übernachtungsplatz in seinem Dorf anbot. Das Gepäck der anderen beiden hat
er dann derweil auf seinem Moped transportiert, so daß sie es nicht die
ganze Zeit tragen mußten. Der Weg war wunderschön. Anfangs gingen wir durch
eine Oase mit vielen Dattelpalmen. Wir sahen auch viele Bewässerungsgraben
am Straßenrand.
Am späten Nachmittag wurde die Gegend trockener und die Vegetation wurde
deutlich karger. Dann sahen wir mittendrin ein Fußballfeld mit Spielern, wie
bunte Farbklekse in der Landschaft. Das fand ich sehr erstaunlich. Wo kommen
die denn wohl her? Das nächste Dorf ist doch weit weg?
Hassan war auf Gäste ausgelegt. Es gab Matratzen und Decken. Wir saßen bis
zum Schlafengehen am Lagerfeuer. Das war sehr gemütlich. Zum Essen gab es
Tajine. Sehr lecker, ich liebe Tajine (hatte ich vielleicht schon mal
irgendwo erwähnt...).
Am nächsten Tag wanderten Randolph und ich weiter, die anderen blieben noch
einen Tag länger bei Hassan.
Das Wetter war angenehm warm bis etwas zu heiß, aber zwischendurch hielten
wir Siesta. Das kann man in der Gegend sehr gut. Wir wanderten bis Abends
und dann beschlossen wir, das nächste Auto anzuhalten. Es dauerte gar nicht
so lange, da nahmen uns zwei Marokkaner mit bis Tafraoute. Einer war Koch in
einem Restaurant. Da er uns nicht den Namen veriet, kamen wir nicht in den
Genuß seiner Kochkünste.
In Tafraoute kam ich übrigens das erste mal in den Genuß von Avocadoshake
(Avocado, Milch und Zucker). Danach wurde ich süchtig! Wir beschlossen als
nächstes nach Telouine zu fahren und zwar über Igherm. Dort ist ein Agadir
(Speicher), den Randolph gerne anschauen wollte. Da es nach Igherm weder Bus
oder sonstige öffentliche Verkehrsmittel gab, beschlossen wir zu trampen.
Also stellten wir uns am nächsten Tag an den Ortsausgang und versuchten
unser Glück. Ein Lastwagen nahm uns mit. Er fuhr allerdings woanders hin, so
daß wir nur bis zum Abzweiger mitkonnten, aber das war schon eine ganze
Strecken. Von dort liefen wir die Straße runter, wo noch eine Straße zu
einem Dorf führt. Vielleicht kommt ja jemand aus dem Dorf, der rein zufällig
nach Igherm fährt. Die Straße war alles andere als vielbefahren. Es war
schon ein Wunder, wenn dort überhaupt mal ein Auto kommt.
So setzten wir uns auf eine Mauer und ich bestellte beim Universum ein Auto für
ca. 15 min. später (wollte ja noch in Ruhe was futtern).Das Universum lieferte pünktlich einen R4 mit 5 Marokkanern, die eine
Urlaubsreise machten. Sie hielten an, der Beifahrer setzte sich zu den
dreien auf der Rückbank und wir teilten uns den Beifahrersitz. Wie das alles
mitsamt unserer nicht ganz kleinen Rucksäcken funktioniert hat ist mir bis
heute ein Rätsel.
Die Fahrt dauerte lange, da es mitten durch den Anti Atlas ging. Serpentinen
ohne Ende, die Landschaft änderte sich nicht, über Stunden....bequem war es
ganz und gar nicht, aber die Marokkaner saßen ja genauso beengt und
beschwerten sich auch nicht, nein, sie nahmen uns sogar mit, obwohl sie ja
auch hätten vorbeifahren können. Einmal sagen sie auch fröhlich vor sich
hin.
In Igherm war ein Fest, wie es hieß haben wir leider nicht herausbekommen.
Jedenfalls haben sich die Männer als Frauen verkleidet und waren zum Teil
maskiert. Die sahen recht lustig aus. Sie sammelten Geld, natürlich in
erster Linie von Touristen. Sie hatten sich von Einheimischen auch so
manchen Ärger eingefangen, keine Ahnung warum, aber wer weiß was sie in der
Sicherheit ihrer Verkleidung so alles angestellt haben...
Der Speicher war nun doch weiter weg als wir dachten und so fuhren wir mit
dem Taxi nach Telouine. Dort hatten wir dann noch einen längeren Fußmarsch
zum Hotel. Vom Hotelfenster konnten wir eine alten Festung sehen. Die haben
wir dann abends auch noch angeschaut. Im Ort selbst gab es nicht so viel zu
sehen.
Am nächsten Tag wollten wir in einen Ort, dessen Namen ich leider vergessen
habe. Ein Transporter war bereit uns dorthin zu fahren. Er fuhr so ewig
lang, daß wir schon glaubten total falsch zu sein, aber irgendwann kamen wir
doch an. Ein Marokkaner bot uns dann einen Übernachtungsplatz für die Nacht
an, aber wir waren nicht so sicher, ob wir nicht im nächsten Dorf
übernachten und von dort dann morgen zurücklaufen. Inzwischen war es schon
Mittags und ich war etwas ungnädig, in der Mittagshitze zu laufen. Die
Gegend war öde und heiß. Ich wäre lieber ganz früh morgens raus und hätte
mich mittags unter einen Baum gelegt.
Wir sind dann noch bis zum nächsten Dorf gelaufen und von dort wieder zurück
zu Mohammed, um dort zu übernachten. Er hatte eine riesige Familie und ein
riesiges Haus. Und alle waren sehr freundlich. Ich habe es zum xten Mal
bedauert, nicht wenigstens französisch zu können. So konnte nur Randolph die
Konversation führen. Ich durfte als ausländischer Gast bei den Männern
mitessen. Die Frauen saßen extra, aber immerhin im gleichen Raum. Das Essen
wurde auf zwei großen runden Tabletts serviert. Eine Art Linsencreme, wenn
ich mich richtig erinnere. Ein Teller für die Frauen und einer für die
Männer und Gäste.
Mohammed führte uns am nächsten Tag nach Telouine. Dort haben wir dann unser
Gepäck abgeholt, Tee getrunken und dann den Bus nach Marakech genommen.
Leider hat man von der Fahrt durch den Hohen Atlas nicht viel gesehen
Die Fahrt nach Marrakech dauerte glaube ich 7 Stunden. Ein paar
Zwischenstopps gab es auch. Abends um 23 Uhr kamen wir an und mußten uns auf
die Suche nach einem Hotel machen. Es kam zu einem Streit mit einem
Taxifahrer, der meinte, daß die Tarife nachts viel höher wären. Dabei hat
uns eine Marokkanerin einen anderen Preis genannt. Irgendwie kam jedenfalls
ein Hotelbesitzer dazu und wir bekamen ein Zimmer für umgerechnet 12 Euro.
Es war in der Altstadt und in dem alten Herrenhausstil gebaut. Es war nicht
so nobel, wie das von meiner ersten Reise, aber dafür auch nur ein
Bruchteil des Preises.
Abends wollten wir auf dem Djemaa el Fna nochwas essen, aber die waren schon
am abbauen, da es regnete und stürmte. Das fand ich total blöd. Aber am
nächsten Tag hatte sich das Wetter zum Glück beruhigt. Randolph wollte noch
einiges besichtigen, was ich schon kannte und ich wollte shoppen. So haben
wir uns erst zum Mittagessen getroffen.
Für Birgit habe ich eine Lampe gekauft, für mich einen verschnörkelten Haken
usw.. Ich habe mich jedenfalls total wohl gefühlt und bin durch den Souk
gelaufen, habe im Internet Cafe ein paar mails geschrieben.