Von Patagonien bis in die Atacama-Wüste

Dezember 2003 - Januar 2004

Santiago - Pucon - Puerto Montt - Punta Arenas - Puerto Natales -
Torres del Paine - Punta Arenas - Calama - San Pedro de Atacama - La Serena - Viña del Mar - Santiago

Diesmal habe ich wieder eine Gruppenreise gebucht. Über Weihnachten und Sylvester ist nette Gesellschaft schon ganz schön. Bisher hatte ich auch immer Glück. Der Flug ging über Madrid und wir waren ab Frankfurt ca. 17 Stunden unterwegs. Da jeder im Flieger seinen eigenen Bildschirm hatte und sich Filme, Musik und Spiele selbst aussuchen konnte, war die Zeit auch gar nicht so lang. Unsere 4-Wochen Gruppe war recht klein, nur 9 Personen.

Santiago
Als wir in Santiago ankamen, wurden wir von "unserem" Reiseleiter abgeholt. Es waren dort 29°C (die Chilenen geben übrigens gerne alles in Fahrenheit an). Also erstmal umziehen, Rucksack abgeben und ab in die Stadt. Zuerst lockten uns die lauten Techno Klänge auf einem Platz, aber dort blieben wir nicht lange,schade, das hat mich nach dem langen Flug richtig wach gemacht. Aber Sightseeing war angesagt.

Mit einer Art Aufzug fuhren wir auf den San Christobal. Von dort hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt. Der Himmel war blau und in Deutschland ist Winter... Auf dem Rückweg saßen wir dann alle in einem Straßencafe. Dort in der Nähe war ein Kunstmarkt, der war wunderschön. Leider habe ich erst hinterher erfahren, daß wir dort nicht mehr hinkommen. Andererseits wollte ich nicht schon am ersten Tag einkaufen...

Über Nacht fuhren wir mit dem Bus nach Pucon. Die Busse sind dort sehr komfortabel, da die Sitze extrem breit sind und sich auch fast bis ganz in die Waagerechte stellen lassen. Am nächsten Morgen kamen wir in Pucon an. Bin ich wirklich in Südamerika? Lauter Holzhäuser, die ein wenig salonmäßig aussehen... Aber wir sehen schon den ersten Vulkan, den Villarica.

Die Besteigung des Villaricas wird nur organisiert durchgeführt. Es wurden Jacke, Hose, Schuhe, Steigeisen, Brille, Eispickel und sonstiges gestellt. Mit dem Sessellift fuhren wir auf 1700m und von dort ging es los. Oh weia, wie ist wohl meine Kondition? Die Gruppen wurden immer neu formiert und wenn man stehenblieb, wurde man gleich etwas gefragt, um festzustellen, ob man noch kann oder wie es einem so geht. Ich hatte ständig Probleme mit der Brille. Die war so eng und unangenehm, außerdem war sie ständig von innen beschlagen.

Vom Blubbern des Vulkans haben wir leider nicht viel gesehen, nur etwas Rauch. Die Aussicht war grandios. Man sah auch andere Vulkane in Argentinien. Echt super. Der Abstieg war um einiges einfacher. Die meiste Strecke sind wir auf dem Hintern runtergerutscht. Ich war ja erst skeptisch, aber dann konnte es gar nicht schnell genug gehen.

Am nächsten Tag sind wir zum Huequehue Nationalpark. Das war aber nur einmal Berg rauf und Berg runter...aber mit ein paar Lagunen zu besichtigen. Erinnere mich aber nur noch an Laguna verde. Böse Zngen behaupten bei dem Foto immer, ich wäre wohl eher in Süddeutschland gewesen...(Frechheit!)

Mit einem Kleinbus sind wir über Valdivia nach Puerto Montt gefahren. In Valdivia war Fischmarkt direkt am Wasser. Am Geländer zum Wasser waren alle paar Meter Betonabsätze. Dort saßen Seelöwen und warteten darauf etwas Fisch zu bekommen. Und was für riesige Viecher das waren!

Puerto Montt war regnerisch und ungemütlich. Wir waren Abends im Restaurant, aber das war kalt und das vegetarische Gemüsegericht stellte sich als ebenfalls kalter Salat heraus. Aber der Pisco Sour war lecker. Wir haben alle im Atelier einer Künsterlin geschlafen. Ohne Schnarcher wäre es sicher ganz gemütlich gewesen... Am nächsten Morgen flogen wir nach Punta Arenas. Von dort fuhren wir mit dem Bus nach Puerto Natales. Die Fahrt dauerte ca.3 Stunden und die Landschaft änderte sich nicht. Die Straße war auch nicht asphaltiert, so daß ich immer müder wurde. Es gab nur Gräser zu sehen und im Hintergrund Berge. Man muß sich wirklich die Dimensionen klar machen, die es in Deutschland so gar nicht gibt.

Puerto Natales
Ein kleiner netter Ort. Die Unterkunft gehörte einem Schweizer und war ziemlich komfortabel. Ich bekam ein schnarchfreies Zweierzimmer, sehr schön. Viel zu beschreiben gibt es bei dem Ort nicht. So ähnlich wie Pucon. Wir gingen shoppen und ins Internetcafe. Das Restaurant abends war auch sehr schön. In Chile kann man ja mal mit gutem Gewissen Rindfleisch essen.

Torres del Paine Nationalpark
Es ist schon unglaublich, daß wir über eine Stunde durch denNationalparkes bis zum Eingang gefahren sind. Über 100km. In Deutschland wären auf der Fläche schon drei Großstädte untergekommen. Am Eingang gab es eine Horde Guanacos. Wir machten eine Schiffsfahrt zum Greygletscher und wurden mit einem kleinen Boot am Grey Refugio abgesetzt. Unser Zimmer hieß passenderweise "Puma". Bei 8 Leuten auf 14qm hätte der Name nicht besser sein können.

Heute stand eine Tageswanderung zum Grey-Gletscher auf dem Programm. Die Wegbeschreibung von Carlo war zwar nicht so der Hit, aber irgendwie haben wir dann doch den Weg gefunden und den Gletscher von oben angesehen. An dem Tag war es ziemlich kalt und windig, aber zum Glück kein Regen.

Der nächste Tag war anstrengend. Die Strecke vom Grey Refugio zum Cuerno Refugio dauerte über 8 Stunden. Nach 4 Stunden wollten wir schön ausgiebig Mittagspause machen, aber daraus wurde nichts da es nach Regen aussah. Mein Rucksack wurde langsam schwer. Zum Mittag gab es Sauerkraut und Oliven. Zum Glück waren auf der Strecke keine großen Steigungen zu erwarten. Das Moor war auch relativ trocken, so daß wir einigermaßen direkt gehen konnten. Zum Schluß mußten wir noch einmal über viel Geröll klettern, das war dann ziemlich ermüdend. Die Cuerno Hütte war sehr schön. Nicht so voll und irgendwie großzügiger geschnitten als die Grey Hütte. Die beiden Köche waren auch sehr nett. Sie haben mir mein Kartoffelpüree mit Speck fertig gemacht. Und dann ging auch schon der Regen los. Wir hatten wirklich Glück.

Von der Cuerno Hütte wanderten wir zum Chileno Refugio. Der Weg war sehr schön. Viele bunte gelbe Pflanzen. Dafür ging es nachher stetig bergauf. Die Wanderung war zwar nur 4 1/2 Stunden, aber mir kam es fast anstrengender vor, als der Tag davor mit 8 Stunden.

In der Chileno Hütte haben wir Sylvester gefeiert. Es gab ein großartiges Buffet mit Fleisch, Gemüse und Salaten und dann eines mit Kuchen und Torten. Irgendwie war die Stimmung etwas verhalten, am besten drauf war Carlo und das Küchenpersonal. Die haben sich schon auf die Party gefreut. Ich fand die Musik gar nicht schlecht, aber in Wanderklamotten und dicken Botten kam auch nicht so die rechte Tanzlaune auf...

Am Neujahrstag hatte es erstmal geregnet und war lange bewölkt. Wir wollten zu den Torres hoch, aber bei bedeckten Himmel kann man das ja vergessen. Gegen Mittag klarte es aber auf und es konnte losgehen. Erst ging es durch den Wald. Und dann nur noch Geröll hoch. Aber die Aussicht wurde belohnt!!

Nun ist der letzte Tag im Nationalpark gekommen. Wir freuten uns alle auf Duschen und frische Klamotten. Dann sind wir richtig gut Essen gegangen, Vorspeise, Hauptgericht, Pisco.... Nach Käsebrot und Asia Nudelsnack darf es gerne mal was Gutes sein...

Punta Arenas
Als erstes haben wir den Friedhof besucht. Ich fand ihn kitschig, aber vielleicht gewöhnt man sich dran. Jedenfalls ist es ganz praktisch, wenn man nur ein Schaufenster zu bestücken hat. Die Stadt fand ich nicht so spannend. Von oben sah sie ganz hübsch aus, weil bunt, aber ansonsten fand ich die Orte eher nichtssagend. Aber die Pinguine! Es waren wohl längst nicht mehr so viele da wie vor einigen Jahren, aber ich konnte mich für jeden begeistern. Ein Gruppenfoto hat aber leider nicht geklappt...

Der Flug nach Calama war auch sehr schön. Zwischenlandung in Puerto Montt, Aufenthalt in Santiago und Weiterflug über Antofagasta nach Calama. Dann mit einem Kleinbus nach San Pedro de Atacama.

San Pedro de Atacama
Die Stadt liegt auf über 2400 m ü.NN und ich habe es auch tatsächlich gemerkt. Ich ging die Straße rauf und runter und dachte nur, was ist mit meiner Lunge los. Das kann ja heiter werden. Ich habe soviel Wasser wie möglich reingekippt. Manchmal geben ja Reiseleiter echt gute Tipps, aber wie man mit soviel Wasser schlafen soll, sagen sie wieder nicht... San Pedro hat mir gut gefallen. Klein, aber irgendwie nette Stimmung. Hier wohnten anscheinend viele Aussteiger und Freaks. Hier sahen die Bewohner auch schon mehr indianisch aus. Wahrscheinlich kommen auch viele aus Bolivien. Morgens wurde ich mit Musik von Manu Chao geweckt, das gibt ja schon mal 100 Punkte für die Unterkunft. Der Koch war auch witzig. Kochjacke, gefleckte BW Hose und offene Springerstiefen und immer fröhlich am Mitsingen.

Einen Tag haben wir nichts gemacht und nur in San Pedro rumgehangen. Irgendwie konnte ich keinen motivieren, ein nettes Café aufzusuchen, schade. Abends sind wir zu Dritt nach Quitor gelaufen. Das ist eine alte Inkafestung aus dem 12. Jahrhundert. Es war aber nur noch ein paar alte Steine übrig...das hat mich nicht so begeistert...die Ruhe war auch nur relativ, wenn eine Chilenin mit Handy hinter mir sitzt. Aber der Sonnenuntergang war gigantisch, leider sind die Bilder nicht so scharf geworden.
Die nächste Tour war erst nächsten Nachmittag geplant, da zu wenige zu den El Tatio Quellen wollten. Die Tour ging zum Valle de la muerte und ins Valle de la Luna. Leider kann ich auch hierzu nicht so viel sagen, da ich Sahara geschädigt bin, aber so eine Landschaft lebt nun mal von der meditativen Stimmung. Und die geht schlichtweg flöten, wenn am Eingang zehn Minibusse stehen, ihren Inhalt ausspucken und am Ende des Weges wieder einsammeln...

Es roch zum Teil nach Schwefel und wenn man genauer hinsah, lagen überall kleine grüne Steine rum. Ich fand sie ja ganz schick zum Mitnehmen, aber der Geruch ist nun wirklich nicht wohnlich... Danach fuhren wir an eine Stelle, wo die Amerikaner wohl ihre Mondmobile ausprobiert haben. Ein Mars Mobil haben wir dort übrigens nicht gefunden. Tja, ein paar Fotos und weiter...

Dann waren wir an dem Teil, wo es den schönen Sonnenuntergang geben sollte. Wir gingen also mit all den anderen 15 Minibusinhalten die Düne rauf und warteten auf den Sonnenuntergang. Der Sand fühlte sich toll an. DAS ist Wüste. Es war tolles Licht, aber das Spektakuläre, was am Tag vorher war, ließ vergeblich auf sich warten. Der Himmel war wohl schon zu bedeckt. Man rechnete in zwei Wochen mit Regen. Ich erwähne nochmal das die Atacama Wüste die trockendste Wüste der Welt sein soll!

Am Tag drauf fuhren wir zu den heißen Quellen von Puritama. Die waren angenehm warm und die Sonne brannte auch nicht so wie beim letzten Mal. Aber irgendwann kam tatsächlich der Badewanneneffekt. Wo ist der Heißwasserhahn? Etwas wärmer bitte!! Danach sollte es in ein Tal gehen, welches nur die Atacamenen kennen. Da käme normal kein Touri hin. Nun ja, auf dem Weg dorthin stand dann schon mal ein Geländewagen quer auf der Straße, so daß wir nicht durchkamen. Daneben ein paar Leute mit Teleobjektiven mit mind.800mm Brennweite. Hm, was ist denn hier los? Es wurde gemunkelt, daß Cameron Diaz im Canyon wäre. Oh schön, kriege ich ein Dia von Cameron? Erkenne ich sie? Wie zum Teufel sieht die Gute denn aus? Sie war tatsächlich da und hat dort was für MTV gedreht. Ob den Canyon bald nur noch die Atacamenen kennen? Auf dem Rückweg fragten uns die Paparazzis aus, aber Carlo konnte die Geschichte vom Striptease nicht wirklich glaubwürdig rüberbringen. Schade, hätte doch gerne am nächsten Tag die Zeitung gelesen...

Nun kommt die beste Attraktion der Atacama Wüste. Das Alti Plano (der oder die Alti Plano?). Zuerst fuhren wir zu den Flamingos auf einem Salzsee. Wunderschön. Die bizarre Oberfläche war schon gigantisch. Dann fuhren wir zu den vier Lagunen. Ich denke, hier sprechen die Bilder für sich. Die Fahrt war eher unspektakulär. Fahren, aussteigen, knipsen, weiterfahren...

Zum Abschluß haben wir in einem Dorf gegessen. Hier haben wir noch eine Kirche besichtigt, wo alle Frauen, die die Kirche betreten innerhalb von 12 Monaten schwanger werden sollen....

Am nächten Tag fuhren wir nach La Serena. Wir waren erst am übernächsten Morgen dort. Mit den Liegebussen ist die Fahrt wirklich ok. Dort konnten wir leider die Cabañas noch nicht beziehen und haben uns die Zeit damit vertrieben, an den Strand zu gehen und dann zum Fischmarkt. Da ich Geburtstag hatte, durfte ich mir das Abendessen aussuchen. Ich fand gegrillten Fisch klasse. Wir sind dann also zum Fischmarkt nach Coquimbo gelaufen. Ich habe dort total schöne Bilder gemacht (so dachte ich mir das jedenfalls), da ich auch mal Menschen bei ihrer Arbeit fotografiert hatte. So hatte ich endlich auch mal etwas vom Leben der Chilenen. Aber das sollte wohl nicht sein, die Kamera wurde mir geklaut oder ich habe sie im Taxi liegen lassen. Niemand weiß es so genau. Wirklich schade.

Zwei Tage später waren wir wieder am Fischmarkt, da habe ich noch ein paar Bilder gemacht:

Einen Tag waren wir in La Serena. Fand ich nicht so spannend. Auch nicht das Einkaufszentrum mit Mc Donalds. Muß es den Laden denn überall geben?
Dann fuhren wir ins Elqui Tal, dort wird der Pisco hergestellt. Waren auch in einer Pisco Brennerei und haben ein paar Sorten probiert. Sehr lecker, aber kurz nach dem Frühstück nicht so angebracht. Das gibt Kopfschmerzen. Und wach wurde ich auch den ganzen Tag nicht. Danach fuhren wir zum Paso Negro. Das liegt auf dem Weg nach Argentinien. Den Grenzposten Chile mußten wir bereits passieren, aber dann kommt ja erstmal 100km nichts.

Dort haben wir gegrillt. Das war sehr schön. Endlich konnte man mal die wunderschöne Landschaft genießen. Die Berge waren in lauter verschiedene Farben getaucht und mittendrin wieder eine Lagune, die je nach Blickwinkel grün oder blau war. Schade, daß es mir nicht so gut ging. Und die Rückfahrt dauerte wieder ewig. Wir fuhren zu Mamalluca, ein Observatorium. Es ist zwar eins für Touristen, aber bei dem "richtigen"Observatorium muß man sich 6 Monate vorher anmelden. Zunächst konnten wir nach oben unter die Kuppel gehen und mit dem Fernglas Mars, Venus und Saturn ansehen. Man konnte sogar die Ringe vom Saturn erkennen. Danach wurde eine Präsentation gemacht über Galaxien usw. und dann sind wir nach draußen gegangen und haben die Erklärung der Sternbilder direkt unterm Sternenhimmel bekommen. Das fand ich klasse, nicht unter einem einem künstlich erzeugtem Sternenhimmel zu sitzen.

Als wir wieder zu den Cabañas kamen, konnten wir gerade noch duschen und dann gings auch schon los zum Busbahnhof nach Coquimbo. Mit dem Nachtbus fuhren wir nach Viña del Mar. Ich war schon so müde, daß ich gar keine Lust mehr auf Abendessen im Bus hatte und hoffte, daß das Licht bald ausging. Morgens früh waren wir dann da und hatten einen längeren Fußmarsch zum Hotel.

Viña del Mar und Valparaiso liegen direkt nebeneinander. In Valparaiso gibt es diverse Aufzüge, da die Stadt direkt am Hang liegt. Die bunten Gassen haben mir ganz gut gefallen.

Abends bin ich dann mit Ralf ins Theater gegangen. Dort hat eine südafrikanische Jazzband gespielt. Don Laka und sein Quintett. Erst hatte ich dahinter eine Altherrenjazzband vermutet, aber dem war nicht so. Es war leider wenig besucht, da zur gleichen Zeit ein Fußballspiel lief (ich glaube Chile gegen Brasilien). Aber ich fand es klasse, dieses schöne Theater auch von innen gesehen zu haben und die paar Leute, die dort waren, haben auch tolle Stimmung verbreitet. Die Band war auch super! Es fällt mir schwer, das Theater zu beschreiben, da ich keine Ahnung von Stilkunde habe. War es barock? Es war ein schöner Abschluß des Urlaubes.